Ich habe eine Krebsdiagnose - Berührungsräume für Psychoonkologie und emotionale Verarbeitung
- Dr. Antje Petershagen
- 19. Jan.
- 5 Min. Lesezeit

Über Gefühle, Halt und Orientierung in den ersten Momenten zwischen Psychoonkologie und Coaching
Einleitung
Plötzlich ist alles anders.
Ein Satz, eine Krebsdiagnose, und dein bisheriges Leben kippt. Die Welt läuft weiter, während in dir etwas still wird oder laut zerbricht. Viele Betroffene beschreiben diesen Moment wie ein inneres Wegtreten – als würde man gleichzeitig anwesend und doch nicht ganz da sein.
In diesen Sekunden wird spürbar, wie sehr Krankheit auch mit Glück zu tun hat.
Wie ich in Berührungsräume schreibe:
„Krankheit braucht Glück – Körperglück, Seelenglück und manchmal auch einfach Zufallsglück.“
(S. 71, Berührungsräume, 10/2025)
Und doch ist da zunächst oft etwas anderes als Glück: Leere, Angst, Überforderung. Wissenschaftlich wissen wir heute, dass genau in diesen Momenten ein Großteil dessen, was gesagt wird, gar nicht richtig ankommt. Nicht, weil du nicht zuhören willst – sondern weil dein Nervensystem gerade Überleben priorisiert.
In der Psychoonkologie nennen wir diese ersten Augenblicke besonders sensible Berührungsräume. Räume, in denen Worte oft zu viel sind – und Gefühle noch keinen Namen haben.
Was im Krebs-Diagnosegespräch passiert
Warum wir kaum etwas aufnehmen
Eine Krebsdiagnose aktiviert im Gehirn akuten Stress. Studien zeigen, dass Patient:innen im Diagnosegespräch oft nur 20–30 % der Informationen behalten. In extremen Fällen berichten Betroffene sogar, dass die Diagnose selbst „nicht richtig angekommen“ sei.
Das ist keine Schwäche.
Es ist Neurobiologie.
Unter Stress schaltet das Gehirn auf Alarm. Die Fähigkeit, komplexe Informationen zu speichern, ist deutlich eingeschränkt. Untersuchungen aus der Onkologie zeigen, dass viele Patient:innen sich später weder an konkrete Therapieoptionen noch an Prognosen korrekt erinnern – obwohl sie das Gespräch als „gut“ erlebt haben.
Jede Reaktion ist normal
Manche Menschen weinen.
Andere funktionieren.
Wieder andere fühlen erst einmal gar nichts.
All das ist normal.
Wie wir Informationen aufnehmen, hängt von vielen Faktoren ab: Vorerfahrungen, aktueller Belastung, Persönlichkeit, inneren Ressourcen. In der Psychoonkologie geht es deshalb nicht darum, „richtig“ zu reagieren – sondern darum, sich selbst ernst zu nehmen.
Erste Schritte nach einer Krebsdiagnose
Zurück in den Körper kommen
Ein einfacher, erster Schritt kann sein, den Atem bewusst wahrzunehmen:
4 Sekunden einatmen
4 Sekunden halten
6 Sekunden ausatmen
Mehr braucht es im ersten Moment nicht. Kein Ziel, kein „Beruhigen“. Nur ein kleines Ankommen im Körper – ein erster Berührungsraum.
Entlastung schaffen
Viele Patient:innen profitieren davon,
eine vertraute Person zu Gesprächen mitzunehmen
sich Notizen zu machen oder Dinge aufschreiben zu lassen
gezielt nach Wiederholungen zu fragen
Nicht alles muss sofort verstanden werden. Informationen dürfen warten. Dein Erleben nicht.
Berührungsräume – zwischen Psychoonkologie und Coaching
Berührungsräume sind keine großen Interventionen.
Es sind kleine, bewusste Momente:
eine Tasse Tee
ein Satz im Tagebuch
ein Spaziergang ohne Ziel
ein stilles Dasein
In diesen Räumen darf sich langsam wieder etwas zeigen – vielleicht auch ein leiser Gedanke an das Glück, von dem ich schreibe:
„Krankheit braucht Glück – Körperglück, Seelenglück und manchmal auch einfach Zufallsglück.“
Psychoonkologie und Coaching können helfen, solche Räume bewusst wahrzunehmen, zu schützen und zu erweitern. Nicht, um etwas schönzureden – sondern um Halt zu finden in einer Situation, die alles infrage stellt.
Fazit
Eine Krebsdiagnose verändert dein Leben – oft innerhalb einer Sekunde.
Dass du in diesem Moment nicht alles verstehst, nicht alles fühlst oder dich vielleicht gar nicht richtig erinnerst, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eines gesunden Schutzmechanismus.
Erlaube dir, langsam zu gehen.
Erlaube dir, Fragen zu stellen.
Erlaube dir Berührungsräume.
Wenn du magst, teile deine Gedanken in den Kommentaren oder begleite diesen Weg weiter hier auf dem Blog.
Plötzlich ist alles anders.
Ein Satz, eine Krebsdiagnose, und dein bisheriges Leben kippt. Die Welt läuft weiter, während in dir etwas still wird oder laut zerbricht. Viele Betroffene beschreiben diesen Moment wie ein inneres Wegtreten – als würde man gleichzeitig anwesend und doch nicht ganz da sein.
In diesen Sekunden wird spürbar, wie sehr Krankheit auch mit Glück zu tun hat.
Wie ich in Berührungsräume schreibe:
„Krankheit braucht Glück – Körperglück, Seelenglück und manchmal auch einfach Zufallsglück.“
(S. 71, Berührungsräume, 10/2025)
Und doch ist da zunächst oft etwas anderes als Glück: Leere, Angst, Überforderung. Wissenschaftlich wissen wir heute, dass genau in diesen Momenten ein Großteil dessen, was gesagt wird, gar nicht richtig ankommt. Nicht, weil du nicht zuhören willst – sondern weil dein Nervensystem gerade Überleben priorisiert.
In der Psychoonkologie nennen wir diese ersten Augenblicke besonders sensible Berührungsräume. Räume, in denen Worte oft zu viel sind – und Gefühle noch keinen Namen haben.
Was im Krebs-Diagnosegespräch passiert
Warum wir kaum etwas aufnehmen
Eine Krebsdiagnose aktiviert im Gehirn akuten Stress. Studien zeigen, dass Patient:innen im Diagnosegespräch oft nur 20–30 % der Informationen behalten. In extremen Fällen berichten Betroffene sogar, dass die Diagnose selbst „nicht richtig angekommen“ sei.
Das ist keine Schwäche.
Es ist Neurobiologie.
Unter Stress schaltet das Gehirn auf Alarm. Die Fähigkeit, komplexe Informationen zu speichern, ist deutlich eingeschränkt. Untersuchungen aus der Onkologie zeigen, dass viele Patient:innen sich später weder an konkrete Therapieoptionen noch an Prognosen korrekt erinnern – obwohl sie das Gespräch als „gut“ erlebt haben.
Jede Reaktion ist normal
Manche Menschen weinen.
Andere funktionieren.
Wieder andere fühlen erst einmal gar nichts.
All das ist normal.
Wie wir Informationen aufnehmen, hängt von vielen Faktoren ab: Vorerfahrungen, aktueller Belastung, Persönlichkeit, inneren Ressourcen. In der Psychoonkologie geht es deshalb nicht darum, „richtig“ zu reagieren – sondern darum, sich selbst ernst zu nehmen.
Erste Schritte nach einer Krebsdiagnose
Zurück in den Körper kommen
Ein einfacher, erster Schritt kann sein, den Atem bewusst wahrzunehmen:
4 Sekunden einatmen
4 Sekunden halten
6 Sekunden ausatmen
Mehr braucht es im ersten Moment nicht. Kein Ziel, kein „Beruhigen“. Nur ein kleines Ankommen im Körper – ein erster Berührungsraum.
Entlastung schaffen
Viele Patient:innen profitieren davon,
-eine vertraute Person zu Gesprächen mitzunehmen
-sich Notizen zu machen oder Dinge aufschreiben zu lassen
-gezielt nach Wiederholungen zu fragen.
Nicht alles muss sofort verstanden werden. Informationen dürfen warten. Dein Erleben nicht.
Berührungsräume – zwischen Psychoonkologie und Coaching
Berührungsräume sind keine großen Interventionen.
Es sind kleine, bewusste Momente:
eine Tasse Tee
ein Satz im Tagebuch
ein Spaziergang ohne Ziel
ein stilles Dasein
In diesen Räumen darf sich langsam wieder etwas zeigen – vielleicht auch ein leiser Gedanke an das Glück, von dem ich schreibe:
„Krankheit braucht Glück – Körperglück, Seelenglück und manchmal auch einfach Zufallsglück.“
Psychoonkologie und Coaching können helfen, solche Räume bewusst wahrzunehmen, zu schützen und zu erweitern. Nicht, um etwas schönzureden – sondern um Halt zu finden in einer Situation, die alles infrage stellt.
Fazit
Eine Krebsdiagnose verändert dein Leben – oft innerhalb einer Sekunde.
Dass du in diesem Moment nicht alles verstehst, nicht alles fühlst oder dich vielleicht gar nicht richtig erinnerst, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eines gesunden Schutzmechanismus.
Erlaube dir, langsam zu gehen.
Erlaube dir, Fragen zu stellen.
Erlaube dir Berührungsräume.
Wenn du mehr über Psychoonkologie, Coaching und Berührungsräume erfahren möchtest, findest du auf meiner Webseite www.drantjepetershagen.com
weitere Informationen, Inspiration und Unterstützung auf deinem Weg.
Quellen
Epstein, R. M., & Street, R. L. (2007). Patient-centered communication in cancer care. PubMed.
Ley, P. (2008). Memory for medical information. PubMed.
Hershberger, P. E., et al. (2021). Communication and processing of difficult health information. Frontiers in Communication.Wenn du magst, teile deine Gedanken in den Kommentaren oder begleite diesen Weg weiter hier auf dem Blog.
Autorinnen-Information
Dr. Antje Petershagen ist promovierte Fachärztin, Pschoonkologin und Coachin. Sie unterstützt Menschen mit einer Krebsdiagnose dabei, mit Angst Unsicherheit und emotionaler Überforderung umzugehen und Schritt für Schritt innere Stabilität zurückzugewinnen.
Ihre Arbeit verbindet medizinisches Fachwissen, Psychoonkologie und Coaching. Sie richtet sich an:
Betroffene
Angehörige
Menschen nach abgeschlossener Krebstherapie
alle Mitglieder des Behandlerteams: Ärzt:inn, Pflegepersonal, Psychoonkolog:innen, Physiotherapeut:innen u. v. m.
Als Krebssurvivorin kennt sie sowohl die medizinische Perspektive als auch die persönliche Erfahrung einer Krebsdiagnose und entwickelt "Berührungsräume"- Räume für Gefühle, Orientierung und Selbstwirksamkeit.
Mehr zur Psychoonkologie, Coaching, Lesungen und ihrem Buch "Berührungsräume" finden Sie hier: www.drantjepetershagen.com
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